Rigoletto im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemsee (20. und 21. Juli 2010)
Kang, Keremidtchiev, Bitterlich, Morloc, Bästlein, u.a.
Kammerchor München
Münchner Rundfunkorchester
Leitung: Ljubka Biagioni
Oberbayerisches Volksblatt, 23. Juli 2010
Der Tag von Verdis "Rigoletto" bei den Herrenchiemsee Festspielen war der Tag der Roben und der Smokings, der Tag des großen Gongs und der doppelten Anzahl von bayerischen Vuvuzelas, sprich Alphörnern, in der Pause. Ein Festtag innerhalb der Festspiele. Vor allem aber war es ein Fest der Sänger. Ljubka Biagioni zu Guttenberg, Regisseurin und Dirigentin, hat sich Sänger zusammengeholt, die sich auf idealste Weise ergänzen und zu einer künstlerischen Geschlossenheit zusammenfügen, wie man es selten in der Oper hört.
Erstaunlich, wie viel Regie man mit einem Tisch und drei Stühlen machen kann. Der Wegfall von viel Requisite und viel Kostüm zwang die Sänger zu allgemeinmenschlichem Ausdruck und zwang den Blick und das Ohr der Zuschauer hin auf die Sänger und deren Singen. Schön zu beobachten war, wie sich auf Gildas Gesicht in kurzer Zeit alle Gefühlsregungen zeigten bei des Herzogs "La donna-è-mobile"-Arie, von Freude über Erstaunen, Enttäuschung bis schließlich Verzeihung. Fast alle verzichteten auf die üblichen Operngesten, nur der Herzog von Mantua nicht, dafür zelebrierte der seine Gesten höchst elegant. Elegant waren auch die Kostüme, der Herzog und die Hofgesellschaft agierten in gut sitzenden Smokings, Rigoletto selbst wirklich im Narrenkostüm, seine Tochter Gilda in unschuldig-blütenweiß wallendem Kleid.
Der koreanische Tenor Yosep Kang sang den leichtlebig-genusssüchtigen Herzog mit strömendem, ja übermütig überströmendem und höhensicherem Tenor, der mühelos und geradezu italienisch strahlend den Raum füllte. Anton Keremidchiev war für den buckligen und hässlichen Hofnarr Rigoletto fast zu schön und jung, ließ dies aber bald vergessen, weil sein angenehm timbrierter und gut tragender Bariton im tragischen Verlauf der Handlung immer dunkler und schwärzer zu werden schien. Die junge Antje Bitterlich als Gilda spielte und sang sich sofort ins Zentrum der Oper, die ab da eigentlich "Gilda" hätte heißen müssen. Ihr mädchenhaft heller Sopran hatte innerlichen Stahlklang, so ließ sie hören, wie stark und mutig dieses junge, erstmalig großäugig-naiv liebende Mädchen in ihrer Liebeskraft und in ihrem Opfermut ist. Dieses Mädchen wartet nur darauf, geliebt und damit erweckt zu werden, ihre Liebesfülle verströmen lassen zu dürfen. Bei ihrem Liebesduett mit dem Herzog schweigt nicht nur die Musik, sondern die Welt scheint stehen zu bleiben. Ihre "Caro-nome"-Arie nahm sie weniger staccatohaft als lyrisch fließend, überfließend. Diese Gilda rührte über die Maßen. Auch die Nebenrollen fügten sich organisch ein, Gerard Quinn war ein stimmmächtiger Graf Monterone, der seinen Fluch kräftig donnerte, Ismael Arrániz als Sparafucile ein würdig finsterer Mörder. Prächtig sang auch der Männerchor der Hofgesellschaft (Kammerchor München), der immer wieder die Bühne anteilnehmend oder spottend füllte.
Die Opern von Giuseppe Verdi sind Ljubka Biagonis Welt, darin lebt sie, darin liebt sie, und dieses Leben und Lieben überträgt sie unmittelbar aufs Orchester, wovon sich vor allem die Musikerinnen anstecken ließen. Sie atmet mit den Sängern, umarmt sie gleichsam orchestral und lässt ihnen alle Freiheiten. Schicksalhaftes Rumoren und unerbittlich-tragische Ausbrüche in der Ouvertüre, dauernde lastende Spannung, viele aufglühende Orchesterfarben und ein stetig vorangetriebener Spielfluss schufen zusammen einen packenden echten Verdi aus einem Guss. Ein wahrer Festabend bei echt italienischen Temperaturen, von den Zuhörern mit Bravo-Rufen überschüttet.
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Kammerchor München
künstlerische Leitung: Philipp Amelung
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Immer wieder sonntags? (20.11.11)
Traditionell ist der Totensonntag in der evangelischen Kirche dem Gedenken der Toten vorbehalten, was sich im Konzertkalender meist in einer Vielzahl von Requien widerspiegelt. Beim Abschlusskonzert des Konzertzyklus Icking stellen wir dem Deutschen Requiem von Brahms diesmal einen lebensbejahenden und hoffnungsvollen Lobpreis gegenüber. Und zwar den Sonnengesag des Franz von Assisi, den er wahrscheinlich im Jahre 1225 verfasste, in der hochemotionalen Vertonung der nun 80-jährigen Sofia Gubaidulina. Presse
Requiem for the Unknown (16.10.11)
Anlässlich des 10. Jahrestages der Anschläge vom 11. September brachten wir Randall Svanes Auftragskomposition "Requiem for the Unknown" zur Uraufführung im Münchner Prinzregententheater. Mit der Unterstützung von den kongenialen Instrumentalisten Sebastian Klinger (Cello) und Ramón Ortega Quero (Oboe). Ein schmerzlich schönes Stück, doch auch voller Hoffnung. (SZ) Presse
Zeitreise auf Frauenchiemsee (12.07.11)
400 Jahre nach der Drucklegung erwecken wir Gesualdos Responsorien für den Karfreitag wieder zum Leben. In der liturgisch überlieferten responsorischen Weise mit einem rein männlich besetzten Chorsextett als Vorsänger tauchten wir ein in die archaisch wilde Musik. Ein großartiger Kontrast zur klangexplusiven Interpretation von Gubaidulinas Kompositionen für Bajan durch Elsbeth Moser und die Streicher des Kammerorchesters München. Presse
Ein Haufen Männer im Smoking (20./21.07.10)
Verdis Rigoletto stand bei den diesjährigen Festspielen im Schloss Herren-chiemsee auf der Wunschliste von Ljubka Biagioni. Und warum sollte sich der Kammerchor nicht auch mal in einer reinen Männerbesetzung präsentieren? Presse
Mit Zinken, Posaunen und Orgel (14.07.10)
Nach den begeisterten Rückmeldungen des letzten Jahres waren wir wieder eingeladen, ein Konzert bei den Herrenchiemsee-Festspielen zu gestalten. Im Münster Frauenchiemsee standen Schütz und Penderecki im Vordergrund. Dazu hatten wir uns kompetente Instrumentalgäste eingeladen. Presse
Ein königliches Vergnügen (24./25.07.09)
Ganz große Oper gab es an zwei warmen Sommerabenden im Spiegelsaal des Schlosses Herrenchiemsee. Mit unserer bisherigen Rekordbesetzung von 50 Sängerinnen und Sängern haben wir erstmals auch szenisch unser potential zeigen können. Mit großem Erfolg. Presse
Sonnengesang vor traumhafter Kulisse (16.07.09)
Unter dem Titel "Prophetiae Sibyllarum" gab der Kammerchor sein Debüt bei den Herrenchiemsee Festspielen. Glücklicherweise spielte auch das Wetter mit, sodass der gewaltige Schlagwerkapparat, das Cello, 24 fantastische Sänger und unser Dirigent alles in trockene Tücher bringen konnten. Presse
Elias beim Ickinger Konzertzyklus (26.10.08)
Trotz größerer Personalnöte wegen zahlreicher Krankheitsfälle konnten wir beim Elias in Ebenhausen schließlich doch mit unserer "Wunschbesetzung" von 34 Leuten antreten, und der von Mendelssohn geforderten Dramatik in allen Schattierungen gerecht werden. Presse
Mozart in Ebenhausen (29.06.08)
Die Krönungsmesse und das Exultate Jubilate gab der Kammerchor in kompakter Besetzung zum Besten. Eine Wohltat, wenn man dabei auch bei den exponierteren Solopassagen auf die Erfahrung unserer exzellenten SängerInnen setzen kann. Dazu die unprätentiöse Begleitung des Münchner Mozart-Orchesters unter Philipp Amelung. Ankündigung
Orff on the dancefloor (12.10.07)
Von einer Kulisse wie bei einem Popkonzert kann man als Kammerchor wohl nur träumen. Für uns wurde das ganze wahr, als wir vor mehreren hundert ausgelassen tanzenden Partygängern Ausschnitte aus "Carmina Burana" erklingen ließen. Presse
Erfolgreiches Gastspiel in Brixen! (24.08.07)
Nach der erfolgreichen Premiere in München am 18. Juni wurde auch unser Auftritt in Brixen im Rahmen der Reihe "Musik und Kirche" von Publikum und Presse begeistert aufgenommen. Das Konzert wurde von RAI mitgeschnitten und ausgestrahlt. Hier gibts die Kritik.
Getrampel im Münchner Prinzregententheater! (18.06.07)
Mit stehenden Ovationen und lautem Getrampel verleitete das Publikum unseren Dirigenten nach gut 3 Stunden "Judas Maccabäus" noch zu einer Zugabe! Was hätte sich da besser angeboten als der berühmte "Tochter Zion"-Chor! Kritik
Mozarts Zeitgenossen auf CD (Herbst 06)
In Zusammenarbeit mit der Neuen Hofkapelle München ist bei ORF Edition Alte Musik die CD "Mozarts Gedaechtnis Feyer" erschienen. Mehr...